Unter dem Motto „Wir bringen die Kunst auf das Land“ lädt der Kunstverein „Bahner e. V.“ jährlich zur Neuenburger Kunstwoche ein, die ganz im Zeichen der kreativen Auseinandersetzung mit wechselnden Themen steht. Für eine Woche im Sommer wird Neuenburg in der friesischen Gemeinde Zetel zur Hochburg gestaltender Kunst. Ausgewählte Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt kommen nach Neuenburg und erschaffen hier ihre ganz eigene Kunst zu den jährlich wechselnden Themen. Immer ganz nah dran an der Bevölkerung – und manchmal sogar mit ihr zusammen bringt das Symposium Kunst auf´s Land. Zum Konzept des Kunstsymposiums gehört es, dass ein jährlich wechselnder Werkstoff oder Kunstbereich das Thema der Veranstaltungswoche bildet. Die Neuenburger Kunstwoche jährt sich 2026 zum 43. Mal und soll in diesem Jahr die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Textil und Tuch als künstlerisches Material und Thema in den Mittelpunkt stellen.
Textil gehört in verschiedenen Formen zu den ältesten Artefakten, die seit der Frühzeit der Menschheit hergestellt werden. Das Symposium soll die vielseitige Einsatzfähigkeit von Textil, Tuch, Stoff als Kunstmaterial hervorheben und Interessierte und Schüler an diese Kunstform und die kreativen Schaffensprozesse eines Künstler-Symposiums heranführen. Textilkunst wird nicht als bloßes Handwerk angesehen, sondern als eigenständige Kunstform, die die Grenzen zwischen bildender Kunst und angewandter Kunst verwischt. Künstler sollen Textilien z. B. für Skulpturen, Installationen und Bilder verwenden, wobei sie Techniken wie Weben, Sticken, Stricken oder Häkeln anwenden könnten. Textilkunst geht heute weit über rein ästhetische Aspekte hinaus und bezieht sich häufig auf gesellschaftliche Themen wie Konsum, Produktion, Mensch sein und Identität. Das Spektrum umfasst alle gesellschaftlichen Erscheinungen. Die Künstler heben während der Kunstwoche die Eigenschaften des Materials und die künstlerische Arbeit hervor, um die Bedeutung des Werkes zu vermitteln. Neben klassischen Techniken wie Weben können auch moderne Verfahren zum Einsatz kommen, um dreidimensionale Objekte, Skulpturen, Malerei, Mixed Media oder Installationen zu schaffen.
Die Verwendung von Alltagstextilien, getragener Kleidung, Mustern oder historischen Stoffen aus der Gemeinde Zetel und Umgebung könnte eine Verbindung zur persönlichen und kollektiven Geschichte herstellen. Viele Werke könnten soziale und politische Aspekte wie Konsumverhalten, Umwelt oder soziokulturelle Strukturen thematisieren. Die Textilkunst wird gerne in den Kontext der Malerei und Skulptur gestellt, indem etwa Bilder auf Stoffen geschaffen oder die Ästhetik von Textilien in Gemälden nachgeahmt wird. Der Fokus liegt auf der Schaffung eines künstlerischen Dialogs zwischen den Teilnehmenden (Künstler) und Bürgern sowie das Näherbringen von Kunst mit Textil. Während die Künstler ihre Werke aus Textil formen, werden die Schulklassen in täglichen kunstpädagogischen Einheiten ihrerseits in einen kreativen Prozess bei der Arbeit mit Textil eingebunden. Das Künstlersymposium soll sowohl den künstlerischen Austausch zwischen Bildhauern fördern als auch das breite Publikum für zeitgenössische Kunstwerke und kreative Prozesse begeistern. Ziel ist es, eine Atmosphäre zu
schaffen, in der Kunstschaffende ihre Arbeiten in einem öffentlichen, ländlichen Raum erschaffen, und das Publikum – durch die Verknüpfung mit spezifischen Themen für diese – in den kreativen Schaffensprozess integriert wird.
Besonderen Stellenwert hat das Thema Textil als eines der drei historischen Schlüssel-Gewerbe auch für die Gemeinde Zetel. Die ideelle Verbindung der Bevölkerung zu diesem Thema ist durch die seit frühgeschichtlicher Zeit nachgewiesene Produktion von textilen Produkten auf Wurten Nordwestdeutschlands gegeben. Bis zur Neuzeit entwickelte sich Zetel zu einer Hochburg für Textilfertigung mit exzellentem Ruf. Wolle wurde zunächst an bis zu 541 Handwebstühlen im Jahr 1850 verarbeitet. Im Zuge der Industrialisierung entstanden ab 1871 drei mechanische Wollwebereien im Ort sowie Leinen- und weitere Gewebe verarbeitende Betriebe und Zetel wurde zu einer Hochburg der Textilverarbeitung. Das „Zeteler Tuch“ wurde bald international exportiert und gerühmt und die Wollstoffe waren hoch begehrt. Straßen- und Ortsnamen wie „Weberstraße“, „Alte Bleiche“ und „Färberstraße“ zeugen noch heute von der großen historischen Bedeutung der Textilverarbeitung in der Gemeinde Zetel und die dokumentarische Aufarbeitung mit diesem Zweig Zeteler Geschichte wird vom Heimatverein Zetel begleitet. Die Verbindung der Bevölkerung mit dem Thema ist somit auch für die Zukunft gewährleistet und die Neuenburger Kunstwoche wird hiervon profitieren. Heute existiert mit der „Friesischen Wollweberei“ wieder ein textilverarbeitendes Werk, das mit historischen Geräten und Maschinen Premium-Produkte aus Wolle herstellt, daneben aber auch seine Türen für Interessierte des historischen Gewerbes öffnet.
Bewerbungsschluss ist der 15.03.2026
Wir suchen fünf Künstler, die den Werkstoff „Textil“ in all seiner Vielfalt nutzen. Die Ausschreibung ist explizit nicht auf bestimmte Einsatzmöglichkeiten des Rohstoffs begrenzt, sondern soll möglichst großen Gestaltungsspielraum bieten. Um einen aktuellen Querschnitt durch die zeitgenössische Textil-Kunst abzubilden, werden insbesondere Künstler gesucht, die den bekannten
Werkstoff innovativ und ggf. auf ungewöhnliche Weise für ihre Kunst nutzen. Die Künstler sind ab dem ersten Tag vor Ort tätig. Am idyllischen „Rauchkatengelände“ beim Neuenburger Schloss arbeiten die Künstler in vorbereiteten Ateliers – mit der Möglichkeit, im geschlossenen Raum und im Freien zu arbeiten. Besuchern soll dabei ein Einblick in das kreative Schaffen geboten werden – die Ateliers sollen offen sein. Die Ateliers werden nach Absprache vorbereitet und benötigte Materialien werden im Vorfeld beschafft. Arbeitsgeräte bringen die Künstler
mit. Die fünf teilnehmenden Künstler werden in einem Hotel untergebracht (fußläufig zum Veranstaltungsort) und morgens (Hotel) und mittags verköstigt.
Die Arbeitsergebnisse der Kunstwoche werden in der Abschlusspräsentation (Sonntag) am historischen Rauchkatengelände beim Neuenburger Schloss der Öffentlichkeit vorgestellt. Zusätzlich soll jeder teilnehmende Künstler mindestens 3 weitere – bereits geschaffene – Kunstobjekte für die Abschluss-Ausstellung am Sonntag mitbringen und im Ausstellungsraum päsentieren. Der Sonntag ist also der Präsentation und dem Austausch mit Gästen der Kunstwoche vorbehalten und ein breites Publikum soll mit einem stimmungsvollen Rahmenprogramm angesprochen und für die Kunstobjekte und die Künstler begeistert werden. Die Künstler sind für die Besucher ansprechbar und geben Auskunft über ihr Schaffen und Werk und sollten generell während des Symposiums für Fragen interessierter Besucher offen sein.
Zur Kunstwoche erscheint ein Programmheft, in dem die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sowie deren Arbeiten vorgestellt werden. Die eingeladenen Künstler erhalten eine pauschale Aufwandsentschädigung von 1.000,- Euro brutto sowie kostenlose Unterkunft und Verpflegung (Frühstück und Mittagessen). Die Teilnahme an der Kunstwoche wird bundesweit ausgeschrieben. Das Werkzeug ist vom Künstler/von der Künstlerin mitzubringen. Einzelne Werkzeuge können ggf. gestellt/besorgt werden. Rohmaterial wird nach Absprache zur Verfügung gestellt. Einfache Werkplätze stehen zur Verfügung (open air und in Gebäuden auf dem Gelände). Nach Absprache kann auf individuelle Wünsche eingegangen werden. Die im Rahmen des Symposiums erarbeiteten Werke verbleiben im Eigentum des Künstlers. Ein Vorkaufsrecht für vor Ort geschaffene Kunstwerke besteht für den Kunstverein Bahner e. V. und für die Gemeinde Zetel und gilt mit Teilnahme an der Kunstwoche als vereinbart. In der Vergangenheit galt es, dass eines der Kunstwerke angekauft wurde und in der Gemeinde Zetel verblieb (keine Garantie). Ein Verkauf von Kunstobjekten an Privat – nach Ausschlagung des Vorkaufsrechts – ist möglich, jedoch sollen die mitgebrachten und vor Ort geschaffenen Kunstobjekte bis einschließlich
des Präsentationstages vor Ort bleiben.
Ort des Symposiums: 26340 Zetel, Ortsteil Neuenburg, Rauchkatengelände.
Künstlerinnen und Künstler können sich ab sofort bewerben. Aussagekräftige Bewerbungen inkl. einer kurzen Vita, einem Überblick Ihres Œuvres und einem Konzept/Projektvorschlag für die in Neuenburg zu schaffenden Objekte mit kurzer Erläuterung, Skizze oder Foto in druckfähiger Auflösung sind beim Kulturbüro der Gemeinde Zetel per E-Mail an kultur@zetel.de einzureichen.
Bewerbungsschluss ist der 15.03.2026.
Link zur Ausschreibung: https://www.zetel.de/portal/bekanntmachungen/ausschreibung-zur-43-neuenburger-kunstwoche-900000976-20930.html?rubrik=909000007
Mitmachaktionen: Einen Schwerpunkt legen wir auf die konzeptionelle Einbindung von Schulklassen, Jugendlichen und Einheimischen. Aus diesem Grunde werden während der Woche von Dozenten kostenlose Mitmachaktionen für Schulklassen zum Thema angeboten (nicht von den Künstlern). Hier soll der Spaß i. V. mit der Vermittlung künstlerischer Perspektiven im Vordergrund stehen und „Kunst mit und aus Textil“ entstehen. Die Schüler werden während des Symposiums auch zu den Ateliers geführt und zeigen die „Künstler bei der Arbeit“.